Seit Jahren gehe ich nicht mehr auf Wettbewerbe, Veranstaltungen, Turniere oder Messen. Zu oft sehe ich dort Darbietungen, die nicht dem entsprechen, was in der Theorie als korrekt gelehrt wird. Nicht jeder bemerkt das, und viele orientieren sich ehrfürchtig an den bekannten Vorbildern – in der Annahme, sie wüssten oder könnten es besser. Dabei frage ich mich oft: Lernen wir wirklich vom Besten – oder verlieren wir dabei aus den Augen, was gut für das Pferd ist?
DIE Richtlinien DER FN FÜR REITEN UND FAHREN
Die Ausbildung des Pferdes folgt in der Theorie klar definierten Grundsätzen. In den Richtlinien wird betont, dass Dressur der Gymnastizierung dient, der Gesunderhaltung des Pferdes verpflichtet ist und auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiter basiert. Ziel soll eine harmonische, langfristige Entwicklung sein, die das Pferd körperlich wie mental stärkt.
In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Auf Reitplätzen, in Ausbildungsställen und besonders im Turniersport klafft oft eine deutliche Lücke zwischen diesen theoretischen Ansprüchen und der gelebten Realität. Ausbildungswege werden verkürzt, Hilfsmittel eingesetzt, um schnelle Ergebnisse zu erzielen, und äußere Erscheinung wird nicht selten höher bewertet als funktionelle, gesunde Bewegung.
Dieser Widerspruch zwischen Theorie und Praxis wirft grundlegende Fragen auf: Dient die heutige Pferdeausbildung tatsächlich dem Wohl des Pferdes, oder orientiert sie sich zunehmend an Leistungsdruck, Zeitmangel und Erfolgserwartungen?
Eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Trainingsmethoden ist daher unerlässlich, wenn das Pferd langfristig gesund, leistungsfähig und motiviert bleiben soll.
JEDER MÖCHTE MIT SEINEM PFERD ZU EINER Einheit WERDEN
Für die meisten von uns steht das Wohl unseres Pferdes über allem. Wir wünschen uns ein gesundes, glückliches Tier, das uns vertraut und uns begleitet – und doch spüren wir manchmal, wie schwer es ist, diesem Wunsch treu zu bleiben. Sportliche Erfolge oder Erwartungen anderer können uns unter Druck setzen, und unbewusst lassen wir uns von Vergleichen oder finanziellen Zwängen leiten.
In solchen Momenten wird uns bewusst, wie tief unsere Verantwortung liegt – für das Lebewesen, das uns so bedingungslos vertraut.
ES IST WICHTIG, NICHT WEG ZU GUCKEN UND AUF MISSSTÄNDE AUFMERKSAM ZU MACHEN
Auf Turnieren und Wettkämpfen wird leider allzu oft kein fairer Umgang mit den Pferden gezeigt. Es scheint, als zählten vor allem Schleifen, Preise und hohe Geldsummen – für diejenigen, die ihre Pferde unter Druck setzen, um sie „leistungsfähig“ zu machen.
Zeit ist Geld, und je schneller ein Pferd „reitfähig“ wird, desto größer ist der Gewinn. Noch immer ist es weit verbreitet, Pferde mit Hilfsmitteln gefügig zu machen, sie in eine bestimmte Haltung zu zwingen oder sogar zu fixieren
– ganz im Widerspruch zu ihrem Wohl und ihrer natürlichen Bewegung.
DER "HILFS"-ZÜGEL
Hilfszügel sind ein von Menschen erfundenes Konstrukt, das Pferden angeblich helfen soll, eine „korrekte Haltung“ einzunehmen. Doch ihre Anwendung ist umstritten – sie erfordert ein tiefes anatomisches und biomechanisches Wissen über Pferde.
Pferde sind keine starren Maschinen, ihr Bewegungsmuster ist komplex und individuell. Mechanische Systeme wie Hilfszügel können diese Einzigartigkeit oft nicht berücksichtigen. Das bloße Pressen eines Pferdes in eine Form hat nichts mit Gymnastizierung zu tun.
Erfahrene Ausbilder wissen: Für eine schonende, altersgerechte Ausbildung zählen vor allem Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Wissen – nicht Hilfsmittel. Hilfszügel sollten niemals in unerfahrene Hände gelangen, und sie sind keine Abkürzung zu guter Reitkunst.
Wenn ein Pferd ohne Hilfszügel die gewünschte Haltung nicht zeigt, liegt das meist an unvollständiger oder falscher Ausbildung. Der Einsatz von Hilfszügeln führt oft dazu, dass das Pferd sich in eine starre Position zurückzieht – selbst wenn es Unbehagen empfindet.
Langfristig kann dies zu erlernter Hilflosigkeit führen und gilt als psychische Belastung für das Pferd. Ein Hilfszügel kann also schnell von einer vermeintlichen Hilfe zu einem Mittel der Unterdrückung werden.
UNWISSENHEIT SCHÜTZT NICHT VOR DEN FOLGEN SOLCHER PRAKTIKA
(BENUTZUNG VON HILFSZÜGELN)
Wenn du langfristig eine echte Einheit mit deinem Pferd bilden möchtest – vom Boden aus genauso wie vom Sattel – solltest du kritisch prüfen, welche Methoden du anwendest. Bewährte, pferdegerechte Ansätze haben Vorrang, angebliche Abkürzungen führen selten zu nachhaltigem Erfolg. Eine solide Ausbildung braucht Zeit – viele Jahre, oft 7 bis 8 –, und auch du selbst solltest dich kontinuierlich weiterbilden. Ganz gleich, welcher Reitdisziplin du folgst: Die Grundausbildung deines Pferdes hat immer Priorität – für deine eigene Sicherheit und für die Gesundheit deines Pferdes.
Harmonie zwischen Reiter und Pferd ist von unschätzbarem Wert. Doch auf den meisten Wettbewerben, die leistungs- oder klassenorientiert sind – sei es Dressur, Springen oder Rennsport – wird diese Harmonie kaum belohnt. Punkte für einen besonders fairen Umgang mit dem Pferd gibt es nur selten.
Der wahre Gewinn liegt woanders: in einem Pferd, das bis ins hohe Alter physisch und psychisch gesund bleibt. Wenn du deinem Pferd Zeit lässt, schonend ausgebildet wirst und seine Entwicklung respektierst – Pferde sind teilweise erst mit 7,5 Jahren vollständig ausgewachsen –, legst du den Grundstein für ein starkes Vertrauensverhältnis. Je mehr Rücksicht und Verständnis du zeigst, desto motivierter, engagierter und glücklicher wird dein Pferd sein.
Leider werden Taktstörungen, Lahmheiten und gesundheitliche Probleme im Sport oft übersehen. Viele Pferde verlieren ihre natürlichen Gänge, weil spektakuläre Bewegungen mit Showeffekt bevorzugt werden – bequem für den Reiter, aber schädlich für das Pferd.
Wenn der Fokus auf kurzfristigem Erfolg statt auf nachhaltiger Entwicklung liegt, leidet am Ende das Tier.
MYTHOS 1: DIE PFERDEZUCHT ZÜCHTET FÜR DEN BESITZER
MYTHOS 2: WENN ICH BEI (M)EINEM PFERD BESCHEID WEISS, KANN ICH AUCH ANDEREN RATSCHLÄGE GEBEN
Egal, ob du
Bodenarbeit, Horsemanship, Freiarbeit, Western, Englisch, akademische Reitkunst oder Springen bevorzugst – entscheidend ist, dass du auf positive Bestärkung setzt. Wähle die Methode, die für dich und dein Pferd am besten passt, oder kombiniere verschiedene Ansätze. So entsteht eine vertrauensvolle, motivierende Beziehung, in der Lernen Freude macht – für dich und dein Pferd gleichermaßen.
MYTHOS 3: DER "PFERDEPROFI"
SCHAU GENAU HIN UND VERTRAUE DEM GEFÜHL,WAS DU DABEI BEKOMMST
Um einen fairen und verantwortungsvollen Umgang mit Pferden zu erlernen, ist es wichtig, über längere Zeit mit verschiedenen Pferden zu arbeiten, die unterschiedliche Voraussetzungen, Charaktere und Fähigkeiten mitbringen. Dieses Lernen findet sowohl am Boden, an der Hand als auch beim Reiten statt – es lässt sich nicht in ein oder zwei Reitstunden erreichen.
Leider begegnet man auch heute noch allzu oft Bildern von Pferden, die in zu enge Formen gedrängt werden
– sei es in der Dressur, im Springen, im Westernreiten oder in der klassischen Reitkunst.
Dabei braucht es keine große Erfahrung, um zu erkennen, ob ein Pferd glücklich, traurig oder besorgt wirkt. Ein achtsamer Blick reicht, um zu spüren, wie das Tier sich wirklich fühlt.
WIE DU SINVOLLE PFERDEGYMNATIZIERUNG VON SCHLECHTEM TRAINING UNTERSCHEIDEN KANNST
Das Pferd läuft mit der Nase knapp über dem Boden, die Vorderbeine wirken eingeschnappt, und der ganze Körper zeigt eine deutliche
Abwärtstendenz. Es fehlt an Spannung entlang der Oberlinie, der Rücken hängt durch, und der Hals zeigt einen unnatürlichen Knick zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel – eine Haltung, die eine falsche Versammlung vorgaukelt.
Viele Pferde haben zudem Schwierigkeiten, geradeaus zu laufen, und verteilen ihr Gewicht ungleichmäßig auf die Gliedmaßen. Oft können sie nicht korrekt stehen und zeigen Fehlstellungen, die durch unzureichendes oder fehlerhaftes Training entstanden sind. Taktstörungen, Gangveränderungen und Lahmheiten sind keine Seltenheit – doch häufig werden sie ignoriert, während die Pferde weiter unter Druck gesetzt werden.
Die Richtlinien schreiben bestimmte Eckpunkte vor die uns Werte zur Pferdeausbildung mitgeben sollen. Wie wer die Theorie zur Praxis macht liegt eben im Rahmen des eigenen Verständnisse und in den eigenen Händen.
Damals wie heute ist das Ziel, ein durchlässiges Pferde, das langfristig nutzbar bleibt, ohne dabei Schaden zu nehmen, zu erhalten. Physisch aber auch psychisch.
Die Punkte der FN sind gute Orientierungspunkte die sich aufs Pferd beziehen, dass sich physiologisch unter dem Reitergewicht bewegt und somit die Chance hat, trotz und gerade durch die Nutzung durch den Menschen langfristig gesund (und zufrieden) zu bleiben.
Wie du die Ausbildung Skala für dein Pferd sinnvoll nutzen und es darüber hinaus effektiv trainieren und gymnastizieren kannst dazu erfährst du mehr in meinem mobilen Reitunterricht.
Entdecke jetzt, wie ich dich und dein Pferd auf eurem Gesundheitsweg begleiten kann.
Kennst du jemanden, dem dieses Thema am Herzen liegen könnte?
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